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Die Aussage im Artikel von OE8BCK (im TV-AMATEUR 185, S. 26) über einzelne DATV-Empfänger der taiwanesischen Firma HiDes, diese könnten dank der "üblichen 8-MHz-Bandbreite übliche DVB-T-Programme empfangen", ist aus deutscher Sicht kritisch zu werten. In Österreich mag die Zusatzverwendung vielleicht gehen, dort wird neben dem Codec MPEG 2 auch MPEG-4 für DVB-T2 im öffentlichen TV benutzt.

In Deutschland wird dagegen beschleunigt DVB-T mit der Komprimierung und Kodierung MPEG2 abgeschaltet und stattdessen DVB-T2 HD mit HEVC (H.265) aufgeschaltet. Der Codec MPEG-4 (H.264) ist im terrestrischen deutschen Fernsehen nirgends vorgesehen!

Diese Anmerkung soll den Wert der HiDes-Produkte für den Amateurfunk nicht schmälern, doch eine Verwendung darüber hinaus wäre für Deutschland zu viel versprochen.

Mag sein, dass nächstens hochgerüstete Module angeboten werden. HEVC (High Efficiency Video Coding) spart nämlich nochmals Bandbreite! So möchte ich Besuchern der HAMRADIO empfehlen, den Standdienst von HiDes gezielt nach einer Verwendbarkeit unter HEVC (H.265)-Kompressionsbedingung zu fragen. Und auch gleich nach Modulationsbreiten kleiner gleich 1 MHz. Ein solches Fragen kann stark motivierend wirken...

Noch eine Zusatzbemerkung:

Im Amateurfunk ist immer wieder gern vom Standard DVB-T (oder DVB-T2) die Rede. Dieser DVB-Standard ist festgelegt und nachzulesen unter ETSI EN 300 744. Die aktuelle Ausgabenversion ist V1.6.2.von 2015-10. Demnach sind nur Bandbreiten von 8, 7, 6 und 5 MHz festgelegt. Somit entsprechen schmälere Bandbreiten keiner DVB-T-Norm. Die einzelnen Hersteller mögen sich zwar an Ideen der Norm anlehnen und die DVB-T-Norm für sich interpretieren. Damit ist aber keine Kompatibilität von Sendern und Empfängern unterschiedlicher Hersteller gewährleistet.

Korrekt und neutral wäre von COFDM-Modulation zu sprechen unter Hinzufügung einzelner Parameter oder sich auf veröffentlichte Verabredungen bzw. Prüfungen zu beziehen. Vielleicht kommt das noch.

DH6MAV

 

Dazu merkt Jörg, OE/DF3EI, noch folgendes an:

Auf der Webseite von HiDes werden deren "DVB-T"-Produkte richtigerweise nicht für den Einsatz als normale DVB-T(2) Empfänger angeboten, sondern speziell für den Gebrauch in der Verteilung von Infoseiten (signage) in Hotels oder Konferenzzentren und eben für den Amateurfunk, und ebenso korrekt als COFDM-Geräte. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass die Entwickler bei HiDes neue Entwicklungen bei ihren Kunden immer sehr aufmerksam verfolgt haben und auf die Wünsche besonders der Funkamateure eingegangen sind. Man muss ja immerhin bedenken, dass der Amateurfunkmarkt nur ein "Abfallprodukt" ist. Als Beispiel sei hier die Möglichkeit erwähnt, nun auch mit 1 MHz Bandbreite senden zu können, was manchen ATV-Relais den Betrieb erst ermöglicht hat. Ob der verwendete Chipsatz von ITE auch DVB-T2 (H.264 und/oder H.265) zuläßt, vermag ich nicht zu sagen, sicher werden wir dazu auf der HAM RADIO oder durch Darko, OE7DBH, noch etwas erfahren.

Verwerflich verhalten sich nach meinem Dafürhalten manche deutsche Online-Anbieter von Konsumer-Receivern für DVB-T2 und DVB-S(2): Ein von mir im Januar erworbener Linux-Receiver des Fabrikats Gigablue wurde von der Fa. HM-Sat auf einer mit einer deutschen Flagge und auf deutsch gestalteten Webseite ausdrücklich für den Einsatz als DVB-T2 RX angepriesen. Zwar war auch darauf hingewiesen (klein und in Klammern), dass der DVB-T2-Tuner des Geräts für die Dekodierung von H.264 vorgesehen ist, mir (und erst recht weniger technisch begabten Kunden) war aber im Januar 2017 nicht klar, dass es ab dem späten Frühjahr in Deutschland nur H.265 Aussendungen geben würde, und vor allem, was dies nun bedeuten würde. Als dann nach der Umstellung in Berlin der Bildschirm dunkel blieb, versuchte ich mit der Firma zu einer Einigung über eine Rückabwicklung zu kommen. Die Antwort: "Da haben Sie eben Pech gehabt!". Meine Vermutung ist, dass die Firmen die auf Vorrat liegenden Geräte noch schnell los werden wollten, als bekannt wurde, dass DL nun doch auf H.265 setzen würde. Der Ärger war groß, jedoch hielt sich der Schaden in Grenzen, da der DVB-S2-Teil nach der Installation einer Antenne hervorragend funktioniert, und auch der DVB-T Teil kann weiter für den Empfang unserer Berliner DVB-T Ausgaben von DB0KK und DB0BC verwendet werden...

Ok ist das Ganze dennoch nicht und beileibe keine Einzelfall: diverse andere Online Anbieter haben wohl erst nach den Beschwerden vieler ihrer angesäuerten Kunden entsprechende Hinweise auf ihren Webauftritten angebracht. Die damalige Webseite der genannten Firma habe ich als Beweis gesichert!

Falls jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat, kann er diese gerne per Mail an die AGAF senden; ich überlege mir dann, ob wir aus diesen Schilderungen einen Artikel basteln.

Den genannten Gigablue RX, der mit Steckplätzen für zusätzliche Tuner ausgestattet ist, gibt es nun auch in einer Ausführung, die H.265 kann. Wer seine Programme im Netz verteilen will, bekommt mit den Gigablue Receivern jedenfalls ein erstklassige Hardware Plattform. Für das Verhalten seiner Distributoren kann der Hersteller ja nichts.

73, Jörg