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Der Nachfolge-Standard in der terrestrischen TV-Übertragung heißt eMBMS. Erste Versuche, hauptsächlich im Raum München, starteten bereits zwei Jahre vor Umstellung von DVB-T auf DVB-T2 HD, also 2015!

Erklärtes Ziel ist, die Fernsehübertragung im Mobilfunk LTE (5G) zu integrieren und damit für den Zuschauer eine bequeme Option für seine interaktive Nutzung zu schaffen.

Kritisch erkannten aufgeklärte Konsumenten, was eine Verabschiedung vom klassischen Broadcast-Betrieb bedeuten würde, nämlich sich in die Abhängigkeit der Mobilfunkprovider zu begeben. Es schwante den Verbrauchern im Falle Unicast/Multicast sich perfekt und zwangsläufig als "gläserner Mensch" offen zu legen. Die Vorbehalte wurden auch seitens der Rundfunkanstalten und mancher Öffentlichkeit geteilt.

Dass etwas im Gange sei, darüber berichtete ich erstmals von den "Medientagen München 2013", nämlich über die gestarteten Entwicklungsarbeiten von Prof. Reimers/Braunschweig (der im Übrigen auch Mitglied der KEF ist, also politischen Einfluß hat); sporatisch folgten Reporte im TV-AMATEUR.

Mit Datum vom 31. August 2017 veröffentlichte das Institut für Rundfunktechnik (IRT) in München-Freimann eine lesenswerte Pressenotiz zum erklärten Nachfolger von DVB-T/T2/T2 HD und dessen Standardisierung im Release 14 (siehe Pressetext unten).

eMBMS wird in München schon seit geraumer Zeit auf UHF ausgestrahlt, doch dienten und dienen alle Aktivitäten einstweilen dem Erkenntnisgewinn zur Optimierung der neuen Technik und Tests, nicht zuletzt für die Rundfunkanstalten, die Mobilfunkprovider und die Geräteindustrie. Für 2018 ist Release 15 angekündigt. Eine erste Erkenntnis aus Release 14: Es wurden die oben genannten Bedenken aufgegriffen, zumindest sind sie als Option eingebettet.

Als Verfasser vorstehender Zeilen frage ich mich, wie lange ein Simulcast-Betrieb DVB-T2 HD parallel zu eMBMS stattfinden wird? Oder anders ausgedrückt, wann werden die eben neu angeschafften Settop-Boxen wieder auszumustern sein? Aber das kennen wir ja aus der PC Hardware- und Software-Welt.

     Ihr  Klaus Welter, DH6MAV

Hier nun der Blick in die Zukunft, im Original veröffentlicht vom IRT-Pressebüro:

 

 

PRESSEMITTEILUNG

 

Deutlich verbesserte TV-Übertragung in 4G- und 5G-Netzen


 

München, den 31. August 2017

 

Die effiziente und kostengünstige Übertragung von TV-Programmen auf Smartphones und Tablets ist ein gutes Stück näher gerückt. Das internationale Standardisierungsgremium 3GPP (3G Partnership Project) hat im Juni 2017 die Entwicklungs­stufe “Release 14“ abgeschlossen. Damit werden wichtige Anforderungen unterstützt, um Rundfunkangebote in großzelligen 4G- und 5G-Netzen zu übertragen. Mit diesen Entwicklungen nähert sich Release 14 den Parametern, wie sie bisher bei klassischen terrestrischen Rundfunkübertragungsverfahren üblich sind, erklärten die Partner der 5G Media Initiative, eine Interessensgruppe namhafter Firmen und Organisationen, anlässlich ihrer 3. Sitzung in München.

 

Nach den abgeschlossenen Standardisierungsarbeiten kann somit die Implementierung in Geräten, Diensten und Netzen in Angriff genommen werden. Die Erweiterungen des 3GPP-Standards enthalten zahlreiche Verbesserungen für das bereits bestehende eMBMS-Verfahren (evolved Multimedia Broadcast Multicast System). Diese schaffen die technischen Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Programmverbreitung und einen freien Zugang zu Fernsehprogrammen. Empfang ohne SIM-Karte und ohne Authentifizierung sind Bestandteil der neuen Spezifikation, ebenso wie die Option, bis zu 100-Prozent der Übertragungskapazität für Rundfunkanwendungen zur Verfügung zu stellen. Deutlich vergrößerte Senderabstände erlauben die Verwendung von Rundfunksenderstandorten zur wirtschaftlichen Flächenversorgung. Ein reiner Empfangsmodus (Receive-Only-Mode) ohne die zwingende Notwendigkeit eines Rückkanals wurde ebenfalls im 3GPP-Standard etabliert.

 

Netzbetreiber können somit verschiedene Arten der TV-Verbreitung und Interaktivität kombinieren. Besondere Effizienz ergibt sich daraus, dass die Fernsehprogramme nicht in allen Netzen der Mobilfunkbetreiber gleichzeitig übertragen werden müssen. Auch die Aussendung über ein eigenes Rundfunksendernetz wäre möglich, damit alle Empfangsgeräte, mit und ohne Vertragsbindung, Fernsehprogramme empfangen können.  Weiterhin wurde im Standard festgeschrieben, dass die derzeit im Rundfunkbereich genutzten Transport- und Kodierungsformate in 4G- und 5G-Netzen zur Anwendung kommen können.        

 

Die Anforderungen für die Verbesserungen des erfolgreichen LTE/eMBMS-Standards wurden im Vorfeld von EBU, SWR, IRT, BBC, RAI und Industriepartnern, wie z.B. Qualcomm, Nokia und Ericsson definiert und bei 3GPP eingereicht. Gleichzeitig wurde eine Grundlage für den nahtlosen Übergang zu der gerade entstehenden 5G-Standardisierung gelegt, die in einer ersten Phase in Verbindung mit LTE umgesetzt werden soll.

 

Der neue Netzstandard 5G soll in einer ersten Entwicklungsstufe bis 2018 zur Verfügung stehen und ab dann kontinuierlich zu einem universellen System für Datenanwendungen mit hoher Bandbreite erweitert werden. Ab 2020 werden weitere Optimierungen für Rundfunkanwendungen im Rahmen von 5G erwartet und könnten ab 2025 für die Marktdurchdringung mit massenattraktiven Rundfunkdiensten zur Verfügung stehen.


 

Über die 5G Media Initiative

 

Die 5G Media Initiative wurde von namhaften Firmen und Organisationen ins Leben gerufen, um das Potential des zukünftigen Netzstandards 5G für die Medienbranche mit Forschung und Entwicklung zu fördern. Zu den Partnern gehören Kathrein Werke KG, Nokia, Rohde & Schwarz, Telefónica, MUGLER, der Bayerische Rundfunk, der Südwestrundfunk, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg FAU, das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS, das Institut für Nachrichtentechnik der TU Braunschweig, das Institut für Rundfunktechnik IRT und das Münchner Start-up-Unternehmen Cadami. Die 5G Media Initiative vernetzt Medien, Wissenschaft und Industrie, um Know-How auszutauschen, gemeinsame Positionen zu erarbeiten und Forschungsprojekte zu initiieren.