Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv
 

 

In der per Email zugeschickten Abverkaufsliste eines Internet-Händels lese ich „Leistungsübertrager 1:1,06“ für Printmontage, Preis 2,95 EUR.

 

Mal schnell rechnen. Der Trafo hebt die Ausgangsspannung um 6% an. Wer braucht denn sowas? Eher wird zum Laden von Akkus eine etwas höhere Nennspannung benötigt. Doch da geht’s immer um Gleichstrom.

 

Neugierig geworden rufe ich die Homepage des Händlers auf. Oh, der Trafo verkraftet unerwartete 3,3 kW - und das bei nur einem halben Pfund Gewicht! Da kann es sich nur um den Trafo für eine getaktete Stromversorgung handeln. Und wirklich, das downgeloadete Datenblatt gibt Auskunft, https://www.pollin.de/productdownloads/D300703D.PDF.

 

Der Leistungstransformator mit der Bestellbezeichnung T7011-01 war für Hochvolt-Ladestationen zum Einbau in Kraftfahrzeugen konstruiert. Ob das Produkt noch immer den Stand der Technik charakterisiert, weiß ich angesichts des Datums seiner Spezifikation 5.9.2012 nicht zu sagen. Der Ferrit-Trafo ist merkwürdig eckig, ich hätte eher auf eine runde Bauform getippt. Doch definitiv gibt der Hersteller EPCOS die Taktfrequenz mit 100 kHz an. Und auch Maximalspannungen, nämlich 1500 V pro Spule.

 

Ob wir Funkamateure damit etwas anfangen können? Na ja, die Leistung muss nicht ausgenutzt werden. Und was die Frequenz angeht, so verwenden wir zum Beispiel preisgünstige Transistoren in UHF- und höheren Bereichen gern und mit Erfolg auch außerhalb ihrer Spezifikation.

 

Aber hier, wo es auf die Schnellladung von KFZ ankommt, werden sich die Konstrukteure der Ladetechnik an die vom Hersteller vorgegebenen 100 kHz halten. Zum Einsatz kommen typischerweise Klasse D-Verstärker. Aller dreht sich um den maximalen Wirkungsgrad.

 

Was heißt das wiederum für uns Funkamateure? Oberwellen ohne Ende? „Spargel“ über die ganzen Wellenbereiche, bis wohin…? Mich wundert nicht, warum die Rundfunksender sich bereits aus dem LW/MW/KW-Bereichen zurückgezogen haben. UKW steht mittelfristig zur Disposition.

 

Noch eins drauf setzt das EMV-Gesetz von 2016, wonach die BNetzA bei Störungsabhilfeersuchen den Rundfunk und den Amateurfunk nur mehr nachrangig behandeln soll.

 

Klaus Welter, DH6MAV

 

Link-Tipp: https://agaf-ev.org/index.php/91-kommentar-zur-emvg-novelle-von-dh6mav