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Nach dem unser Klaus, DL4KCK, in einem Artikelentwurf zur HAM RADIO 2016 unmissverständlich eine Vorstellung zumindest der neuen Vorstandsmitglieder gefordert hat, will ich diesem hier gern nachkommen und den Anfang machen:

Ich bin ein echter Wuppertaler. Aufgewachsen in Barmen und später in Langerfeld, kam ich im Deutschunterricht durch ein Referat eines Klassenkameraden Horst, später DB9EU, zur Elektronik und zum Amateurfunk. Vorher hatte ich mich noch mit allerlei Chemieexperimenten fast selbst umgebracht, so dass der Schwenk auf die Elektronik meine Eltern (zunächst) begeisterte.

Chemical Experiment

Horst und ich gingen brav zum Amateurfunklehrgang im OV R16, damals noch in einem Seitenraum der alt-ehrwürdigen Stadthalle, und 1976 legten wir dann die Prüfung zur C-Lizenz bei der OPD in Düsseldorf ab. Mann, waren wir stolz!

Durch intensive Bemühungen von Bernd, DK9JG, auf "unserer" Hausfrequenz 144.190MHz in CW, kam einige Jahre später die Erweiterung auf die Klasse A und damit das neue Call DF3EI.

Nachdem ich vor der Lizenz Detektorempfänger ge- und alte Röhrenempfänger umgebaut hatte, folgte kurz nach der Lizensierung das nächste Projekt: ein ATV-Sender nach DJ4LB. Der sah noch ziemlich übel aus (ähnlich wie vorher die Detektorempfänger), funktionierte aber nach ein paar Abgleichtipps von benachbarten OMs, die schon in ATV qrv waren. Mein Vater besorgte mir eine ausrangierte alte S/W-Kamera (Philips, erstes Transistormodell) und los gings. Der Sohn einer Arbeitskollegin meines Vaters, Arno, DK9DY, war ebenfalls in ATV qrv, und so saßen seine Mutter und mein Vater abends gerne mit vor der Kamera.

Bald musste eine PA her. Also wurde mit Hilfe meines Kunstlehrers, des Bildhauers Hans-Jürgen Hiby, aus Messingblech eine 2C39-PA zusammengelötet und das entsprechende 1000V-Netzteil konstruiert (dieses Werk steht wohl nicht auf seiner Referenzliste). Ein Gehäuse konnte ich mir als Schüler nicht leisten, und so war der Tag der Inbetriebnahme gleichzeitig der letzte Tag in meinem Leben, an dem meine Mutter mein Zimmer gesäubert hat.

Mangels Testbildgenerator zeichnete ich fortan meine Testbilder selbst oder stellte kurzerhand den Käfig mit einer zahmen weißen Ratte vor die Kamera (bis diese meine mühsam gemalten Testbilder aufgefressen hatte), wenn ich mal wieder im Schulunterricht mit einem kleinen tragbaren TV-Empfänger kontrollieren wollte, ob der Sender noch funktioniert. In der Nachbarschaft war ich deshalb der Hit, weil mit den ca. 50W nahezu alle Fernsehzuschauer im Ortsteil Wuppertal-Langerfeld mein "Programm" mitsehen konnte, ob sie wollten oder nicht. Man nannte mich den "schwarzen Kanal", aber damals wusste ich nocht nicht, was das heißt. Meist wurde ich morgens in der Straßenbahn angesprochen (nicht immer freundlich), manchmal kam aber auch die Feuerwehr, ein unbestelltes Taxi oder der Pizzalieferservice --- oder der Funkmessdienst, der immer den "Nachbrenner" sehen wollte und dafür auch schon mal gegen den Willen meiner Mutter einen Fuß zwischen Tür und Rahmen setzten. Das war dann auch die Zeit, als meine Eltern nicht mehr so sicher waren, ob ich nicht bei den Chemieexperimenten hätte bleiben sollen...

Meinen zweiten DJ4LB-Sender baute ich dann während meines sechs-monatigen Gastspiels bei der Bundesmarine im Bundeswehr-Krankenhaus Kronshagen bei Kiel. Die Ärzte waren schon ein wenig irritiert, dass ich im Krankenbett mit Lötkolben und Seitenschneider hantierte, ließen mich aber gewähren, weil doch Weihnachten war (ein guter Kumpel aus dem Schwelmer OV O32 hatte mich bei diesem Krankenhausaufenthalt mit einem 2m-Gerät und einer Antenne draußen auf dem Balkon versorgt!). Dieser TX sah übrigens deutlich besser aus und funktionierte auf Anhieb. Wir haben ihn dann später bei der Besetzung der Wuppertaler Adler-Brauerei so umgebaut, dass wir nach Sendeschluss den Füllsender im Nordpark in Wuppertal damit übernehmen konnten, und als Adler-TV die Konzerte der alternativen Hausbesetzerszene in Wuppertal übertragen konnten; hier noch mal ein Danke an die ARD für die "Überlassung" dieses Kanals.

Vor, während und nach dem Studium wanderte ich mehrmals nach Schottland aus und wieder zurück (mir tun heute noch die Füße weh, wenn ich daran denke), wo als GM4YRI ich mit mäßigem Erfolg versuchte,  70cm-AM-ATV am Whisky-Trail zu etablieren. Die Bewohner des kleinen Ortes Colpy nördlich von Aberdeen waren fortan froh, wenn ich auf Dienstreise war und daher der Sender ausgeschaltet blieb. Ich konnte nachher die Zahl der Dachböden nicht mehr zählen, auf denen ich herumgekrochen bin, um in Breitbandverstärkern Lambda-Viertel-Stubs einzubauen. Ich habe dabei viel über Fledermäuse gelernt und den Batman des Gordon Districts kennengelernt, mit dem ich so manche Stunde auf den Dachböden gesessen habe; er zählte die Fledermäuse und ich kürzte Koax-Stubs...

Nachdem meine Auswanderungsbemühungen 1996 mit einem drei-monatigen beruflichen Aufenthalt in der Nähe von Berlin, der bis zum heutigen Tag andauert, scheiterten, wurde in einer Sofortmaßnahme die ATV-Anlage wieder in Betrieb genommen. Schnell machte ich mir auch in Mahlow viele "Freunde", davon aber auch einige im OV Y34, die dann ebenfalls das ATV-Fieber gepackt hatte. Irgendwann hatte ich dann mit dem Bürgermeister von Zossen beschlossen, dass diese kleine Stadt südlich von Berlin einen eigenen Fernsehsender benötigte. Die Zeitung berichtete groß mit der Schlagzeile "Das Fernsehen aus Zossen nimmt seinen Betrieb auf". Als Folge werkelt seitdem das am längsten existierende ATV-Relais des Landes Brandenburg, DB0ZS, vor sich hin. Der Bürgermeister werkelt allerdings nicht mehr...

Seit gefühlten hundert Jahren wohne ich nun in Berlin-Charlottenburg, mit kleineren Abwesenheiten in der Udo-Lindenberg-Geburtsstadt Gronau und in Wilhelmshaven. Hier in Charlottenburg habe ich das Traditionsrelais DB0BC wieder auferstehen lassen, allerdings mit neuer Technik. Dazu gehört eine 70cm DVB-T Sender mit automatischer Betriebszeitensteuerung wegen der Nachbarschaft zu den Satellitentechnikern der TU. Die Inbetriebnahme dieses Senders hat besonders die Polizei in Charlottenburg gefreut, kamen doch in den ersten Tagen hunderte Meldungen über nicht verschließbare KFZ herein. Das Problem ist mittlerweile schlimmer geworden: nun sind auch Reifendrucksensoren betroffen.

 

 

 

Traffic officer fine a car

In der AGAF bin ich auch schon seit ewigen Zeiten. In den letzten beiden Jahren hatte ich mit Heinz, DC6MR, versucht, unsere Mitgliederverwaltung auf Vordermann zu bringen, und so habe ich nach und nach immer mehr Aufgaben im Vorstand übernommen. Und jetzt bin ich einer von "denen". Ich freue mich aber darauf, mit einem sehr engagierten Team die AGAF in die nächsten Jahre zu führen, die Weichen dafür hat die Mitgliederversammlung in Friedrichshafen ja gestellt.

Ach ja, außer Funkamateur bin ich auch noch Software-Entwickler und Kampfmittelräumer, und als der letztere beschäftige ich mich nun doch wieder mit chemischen Kampfstoffen (meine Eltern juckts nicht mehr). Und weil ich immer schon einen hohen Antennenmast haben wollte, besitze ich seit zwei Jahren ein Segelboot und nutze dieses auch - zum Segeln.

73, Jörg, DF3EI a.k.a. GM4YRI